• Belegschaft

    Die Belegschaft der Zementfabrik Brunnen 1915. Bild: Jubiläumsbuch 1982

  • Kalkmühle

    Die Kalkmühle an der Muota 1885. Bild: Jubiläumsbuch 1982

  • Transport

    Generator-Transport zum Turbinenhaus 1925. Bild: Jubiläumsbuch 1982

  • Sackerei

    Ein Blick in die Sackerei, aufgenommen in den 1920er Jahren. Bild: Jubiläumsbuch 1982

  • Plakat

    Ein altes Werbeplakat des Unternehmens verweist stolz auf die Tagesproduktion von 2400 Zentnern. Bild: Jubiläumsbuch 1982

  • Kalkfabrik

    Die Kalkfabrik an der Muota 1893. Im Vordergrund ist der Unterlauf der Kanalanlage zu sehen, mit der das Wasser auf die Bell-Turbine geleitet wurde. Bild: Staatsarchiv Schwyz

  • Kalkofen

    Der Kalkofen im Winter 1893. Bild: Staatsarchiv Schwyz

  • Steinbruch

    Der Steinbruch bei Schönenbuch, aufgenommen 1893. Bild: Staatsarchiv Schwyz

  • Gesamtanlage I

    Der Blick auf das Firmengelände 1893, aufgenommen von Unter-Wylen. Bild: Staatsarchiv Schwyz

  • Gesamtanlage II

    Der Blick auf das gesamte Fabrikareal, aufgenommen zwischen 1981 und 1983. Bild: Staatsarchiv Schwyz

Historischer Standort, bewegte Geschichte

Nova Brunnen entsteht an einem geschichtsträchtigen Ort – dort, wo lange Zeit Zement hergestellt wurde, dort, wo jahrzehntelang Arbeiter unter grossem Einsatz das beste für die Firma von Gründer Karl Hürlimann und seine Nachfolger geleistet haben. Wir nähern uns der spannenden Geschichte über die vier Stichworte: Der Firmengründer, die Widerstände, die Anekdote und die Ur-ur-Enkelin. Unten eingefügt ist zudem die Chronologie der wichtigsten Ereigisse.

Der Firmengründer

Karl Christof Hürlimann (1848 bis 1925) wurde in Brunnen als Sohn eines Sägereiunternehmers geboren – und hinterliess mit seinem Pioniergeist, seinem Mut und seiner Schaffenskraft eindrückliche Spuren in der Dorfgeschichte und weit darüber hinaus. Die Kantonsschule absolvierte er in Luzern, das Polytechnikum in Zürich. Er war Architekt, Bauunternehmer und schliesslich Gründer der späteren Karl Hürlimann Söhne AG. Seine Geschäftsidee: Lieferung von Kalk für den Bau der Gotthardbahn. Politisch engagierte er sich im Gemeinderat und im Kantonsrat, von 1904 bis 1906 war er Gemeindepräsident. Unter anderem ist es Karl Hürlimann zu verdanken, dass die Lagerhäuser der SBB in Brunnen erstellt wurden. Verheiratet war er mit Rosalia Camenzind aus Andermatt, die ihn bei seinen beruflichen Herausforderungen stets tatkräftig unterstützte. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, die drei Söhne arbeiteten allesamt im Fabrikbetrieb.

Die Widerstände

Dass das Unternehmen von Karl Hürlimann überhaupt Erfolg hatte, war vor allem seiner Beharrlichkeit zu verdanken. Denn die Gründungsgeschichte liest sich wie die Anleitung zum Leiterspiel: Ein Schritt nach vorn, zwei Schritte zurück. Der Erfolg war hart erarbeitet gegen viele Widerstände. Zu kämpfen hatte er unter anderem mit untauglichen Mühlen, unsolidarischen Partnern und hohen Schulden. Zuweilen wurde Hürlimann im Dorf belächelt, hingestellt als der «junge Sager», als Träumer, der nichts vom Fach versteht und doch versucht, aus Steinen Geld zu machen. Lange musste er viel Risiken auf sich nehmen und dem Geld nachlaufen, ehe, nach der Verlegung des Mahlbetriebs von der Axenstrasse an die Muota, die Firma sich stetig entwickeln konnte. Durch seine gute Arbeit gewann er das Vertrauen von immer grösseren Auftraggebern, sodass in die Produktionsanlagen investiert werden konnte.

Die Anekdote

Am Anfang stand eine verpatzte Prüfung. Am Diplomexamen am Polytechnikum 1869 scheiterte Karl Hürlimann ausgerechnet an der Frage, warum Mörtel im Mauerwerk erhärte und was für Veränderungen dabei im Kalk stattfänden. Er wusste es nicht, wurde vom strengen Professoren ausgelacht und kassierte eine schlechte Note. Im Stolz verletzt, war nun sein Interesse an der Materie erst recht geweckt. Er ging in die Buchhandlung und kaufte alles, was er über Kalk und Zement finden konnte.

Die Ur-ur-Enkelin

Der legendäre Ur-ur-Grossvater, die Gründungsgeschichte der Fabrik, das Firmengelände – wenn Franziska Amstad über all das spricht, tut sie es mit ansteckender Begeisterung und einer Portion Stolz. «Mich hat die Geschichte meines Ur-ur-Grossvaters fasziniert. Er hat sehr hart für sein Glück arbeiten müssen, erst recht als Sohn eines Auswärtigen», sagt sie. Seit 1986 lebt Franziska Amstad in Brunnen, von ihrem Wohnhaus hat sie einen wunderbaren Blick auf das Dorf und den See, und auf das Fabrikgelände. Der rohe Charme dieser Bauten, das gefällt ihr. Die starke Bindung zu den Gebäuden ist aber nicht allein familiär bedingt. Als eine der ersten engagierte sie sich nach der Stillegung des Betriebs mit einer riesigen Ausstellung kulturell auf dem Gelände. «Damals war diese Energie der Fabrik und ihrer Arbeiter noch sehr gut spürbar, das war in den Mauern drin», erinnert sich Franziska Amstad. Sie freut sich nun auf das Neue, und wäre froh, wenn das eine oder andere historische Element und damit die Erinnerung erhalten bliebe. Schliesslich dürfe man eines nicht vergessen: «Hier wurde über 100 Jahre lang gearbeitet, die Karl Hürlimann Söhne AG gab vielen Menschen Arbeit. Und sie schaute gut zu ihren Leuten.»

1879

Karl Hürlimann-Camenzind erhält die Konzession zum Abbau von Kalkstein an der Axenstrasse, wo er einen Kalkofen errichtet. Gemahlen wird der Kalk in der väterlichen Sägerei in Brunnen.

1882

Gründung des Kalkgeschäfts und der späteren Firma Karl Hürlimann Söhne AG.

1885

Der Mahlbetrieb wird an die Muota verlegt – dort hin, wo heute Nova Brunnen entsteht.

1897

Aufnahme der Zementfabrikation und Vergrösserung der Produktionsanlagen in den folgenden Jahren.

1919

Karl Hürlimann übergibt die Firma an seine drei Söhne Eduard, Karl und Gustav.

1935

Die Firma wird zur Familien-Aktiengesellschaft.

1949

Firmeneintritt des späteren Unternehmensleiters Willem Hürlimann.

1952

Der Betrieb wird über die nächsten Jahre hinweg stetig modernisiert.

1966

Eine zweite Zementmühle wird in Betrieb genommen, zudem erfolgt bald darauf der Neubau des Verwaltungsgebäudes und des Labors.

1974

In Schönenbuch entsteht ein vollautomatisches Schotter- und Frischbetonwerk. Es folgen in den nächsten Jahren weitere Automatisierungsprozesse.

1981

Das Zement-Brennverfahren wird von Schweröl auf Kohle umgestellt.

1996

Verkauf des Familienunternehmens an die spätere Holcim.

2008

Einstellung des Werks in Brunnen. 44 Angestellte sind von der Schliessung betroffen. In seiner Blütephase hatten das Zementwerk und der Kalksteinbruch über 130 Mitarbeitende beschäftigt. Als kleinstes Zementwerk von Holcim erreichte die Fabrik in Brunnen eine Jahresproduktion von 170'000 Tonnen. Zum Zeitpunkt der Schliessung war die Produktionsanlage aus den 1960er Jahren veraltet, eine Erneuerung lohnte sich für die Besitzerin nicht mehr.

2009

Die Schwyzer Kantonalbank erwirbt das Land. Es beginnt eine Phase der kulturellen Zwischennutzung mit Events, Ausstellungen, Gastro- und Kinobetrieben.

2017

Die HRS Investment AG erwirbt die Nova Brunnen Immobilien AG als Tochtergesellschaft und wird neue Besitzerin des Industrieareals. Die HRS Real Estate ist Projektentwicklerin und Realisierungsträgerin der Neubauten und Instandsetzungen.

Quellen

Lebenserinnerungen des Firmengründers. Karl Hürlimann-Camenzind, Architekt, Bauunternehmer, Fabrikant. Herausgegeben zum 100-jährigen Jubiläum der K. Hürlimann Söhne AG, 1982.

«Wir von der Zementfabrik Hürlimann». Buch zum 100-jährigen Jubiläum, erschienen 1982 im Auftrag der K. Hürlimann Söhne AG.

Verschiedene Artikel aus der «Neuen Schwyzer Zeitung».

Quotes

Dominik Bueckers

Landschaftsarchitekt

 

«Der Ort ist besonders: Zum einen vom landschaftlichen her. Diese Lage im Tal an der Muota ist traumhaft. Zum anderen hat die Industriegeschichte auf dem Areal zu speziellen Bauten geführt. Diese Konstellation ist einzigartig.»